Die guten Vorsätze – Out of Style?

Wieder beginnt ein neues Jahr und wieder nimmt sich jeder viele neue Vorsätze vor. Ich frage mich jedes Mal: Ist das nicht alles eigentlich schon total veraltet in unserer heutigen Zeit?

Es gibt immer noch viele Menschen, die gute Vorsätze sehr ernst nehmen und andere wiederum, die sich lustig darüber machen. Jene wollen gar nichts ändern und gehen gleichgültig in das neue Jahr. Ganz nach dem Silvester Motto „Same procedure as every year, James.”

Für mich waren gute Vorsätze eigentlich immer sehr wichtig. Ich habe mir selbst nie Gedanken darüber gemacht, warum das so war. Es war einfach so. Bis heute. Obwohl sich vieles geändert hat, nehme ich mir jedes Jahr aufs Neue gute Vorsätze vor.

Erstmal will ich aber erklären, warum ich Neujahrsvorsätze so „gut“ finde und warum ich eine von denen bin, die der Sache nicht gleichgültig gegenübersteht oder die sich gar lustig darüber macht. Zuerst einmal bin ich wohl eher eine Kämpfernatur. Ich war noch nie jemand, dem das Schicksal so viel Raum geben wollte.

Für mich gibt es zwei unterschiedliche Wege, mit dem Schicksal umzugehen (obwohl man das bei einem so komplexen Thema wohl überhaupt nicht darf): Da gibt es einmal die passive und einmal die aktive Kategorie. In die passive Kategorie fallen die Menschen, die sich dem Schicksal hingeben. Also Menschen, die sich überhaupt nicht ändern wollen. In der aktiven Kategorie dagegen, sehe ich Menschen, die aktiv gegen das Schicksal ankämpfen. Auch wenn sie vielleicht wissen, dass sie am Ende verlieren werden. Und vor diesen Menschen habe ich einfach sehr viel Respekt. Wenn zum Beispiel dein Vorsatz war, öfters ins Fitnessstudio zu gehen, und du es trotzdem nur einmal im ganzen Jahr geschafft hast, dann ist es immer noch besser, als kein Mal. Vielleicht halten die guten Vorsätze nicht lange, trotzdem stellen sie immer eine Art Selbstreflektion dar. Ein Versuch der Verbesserung und der Veränderung. Eine Art Selbstoptimierung. Und wer weiß? Vielleicht überrascht man sich selbst und aus der einmaligen Yoga Session entwickelt sich eine ganz neue Passion.

Wahrscheinlich am wenigsten kann ich mich mit den Menschen identifizieren, die sich über gute Vorsätze lustig machen. Sie machen sich nämlich gleichzeitig auch lustig über all die Leute, die sich über sich selbst und über ihr Leben Gedanken gemacht haben und sich verändern und verbessern wollen. Sie selbst sind aber viel zu gemütlich und zu faul um etwas zu ändern. Deswegen werde ich mich wohl persönlich nie in dieser Kategorie wiederfinden.

Das ist jetzt sicherlich alles sehr schwarz-weiß aufgestellt und natürlich gibt es da noch gewisse Grauzonen, wie bei so vielem im Leben. Es kommt auch immer auf die persönliche Situation an und bleibt jedem selbst überlassen, welches Resümee er aus dem vergangenen Jahr zieht.

Trotzdem hat sich auch bei mir einiges geändert. Meistens habe ich mir viel zu viele Vorsätze gemacht, die ich unmöglich alle einhalten konnte, selbst wenn ich mir anfangs immer große Mühe gegeben habe. Nun mit einem Baby, einem jungen Hund, einem Full-Time Job und wieder schwanger bin ich auf dem Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Meine guten Vorsätze haben sich zwar reduziert, aber es gibt sie immer noch. Und so wird es wohl noch bis zu meinem Lebensende sein. Ich werde sicherlich nicht alles schaffen, aber god dammit (würde ich nicht schreiben) at least I know I tried.

 

Luisa Speitel